Interview: George Ezra

GeorgeEzra_teaserbild

Vier Songs hat er bis jetzt erst in Deutschland veröffentlicht und trotzdem wird George Ezra als einer DER Newcomer für das neue Jahr gehandelt. Woran das liegen könnte kann man aber ziemlich gut erraten, sofern man jemals die Stimme des erst 20-jährigen Engländers gehört hat: „A young man with a voice of a 50 year old“ nannte ihn mal jemand bei der BBC.
Vergangene Woche war Ezra mit eben dieser Stimme für zwei Termine in Deutschland unterwegs. Um mit ihm zu sprechen, mussten wir ausgerechnet ins winzige Haldern fahren, das überregional eigentlich nur für sein großartiges „Haldern Pop“-Festival bekannt ist. Als wir ankommen, geht plötzlich alles ganz schnell.

Ihr kennt George Ezra noch nicht? Dann hoert hier in seine EP rein:

Wir treffen George die Treppe rauf in einer kleinen Stube mit Holzdielen. Er ist gerade dabei sich einen Tee aufzubrühen, als er uns freudig begrüßt. In dem nur mit einer Stehlampe spärlich ausgeluchteten Raum setzen wir uns an einen schwarz-lackierten Holztisch. Nachdem George vorsichtig an dem heißen Tee genippt hat, kann es losgehen:

George, deine EP war auf Anhieb ein riesen Erfolg und die Kritiker haben dich gleich als next big thing gefeiert. Hast du mit einem solch guten Feedback gerechnet?

George Ezra: Nicht im Geringsten, nein! Es war eine ziemlich große Überraschung. Alles was du machst ist ein paar Songs aufnehmen und sie ins Internet stellen und plötzlich finden die Leute das was du machst echt gut.

Nach so einem Einstieg sind die Leute natürlich gespannt, wie es weitergeht. Worauf können wir uns 2014 freuen?

Ich habe gerade erst einen kostenlosen Song veröffentlicht, der leider in Deutschland nicht verfügbar ist: Cassy O‘ heißt der. Außerdem veröffentliche ich im Mai eine neue EP – DIE wiederum ist dann auch wieder in Deutschland verfügbar.

Und wie sieht’s aus mit einem Album?

Ja! Die Aufnahmen sind schon fertig. Ich habe 19 Songs aufgenommen. Leider kannst du kein Album mit 19 Songs veröffentlichen, deswegen muss ich mich noch auf elf Songs oder so festlegen. Ich hoffe, dass wir dann im Sommer veröffentlichen können.

Deine Musik könnte man als Mix aus Folk- und Bluesmusik bezeichnen. Welche Musiker inspirieren dich?

Eine Menge! Nur wenn dich jemand danach fragt, irgendwas aufzulisten, dann ist dein Gehirn plötzlich total überfordert, weil du gar nicht weißt, wo du anfangen sollst. Deswegen hört man mich meistens über Bob Dylan und Woody Guthrie reden. Aber als ich so 14 oder 15 war, gab es Unmengen an guten, englischen Bands, die gerade rauskamen: Arctic Monkeys, Razorlight oder auch Kings of Leon. Die (Kings of Leon) haben auch in England angefangen – ich finde am Anfang waren sie auch besser als später in Amerika. So Bands haben mich natürlich auch sehr inspiriert.

Apropos Bob Dylan: Der wurde als Robert Allen Zimmermann geboren. Du als George Barnett. Wieso nennst du dich George Ezra? 

Ezra ist tatsächlich mein zweiter Vorname. Ich finde es klingt schöner als Barnett. Aber es gibt auch schon zwei andere bekannte George Barnetts in England. Der eine ist Schlagzeuger bei These New Puritans und der andere schreibt Songs und covert Sachen auf Youtube. Und da dachte ich mir, das wird nicht funktionieren. Deswegen George Ezra.

Und wie hat George Ezra angefangen mit der Musik?

Ich habe so mit 13 angefangen Bassgitarre zu spielen und mit 15, also vor 5 Jahren, dann Gitarre.

Hast du gleichzeitig auch mit dem Singen angefangen?

Nein, erstmal habe ich nur Bass gespielt. Ich habe keinen Ton getroffen. Mein Bruder und meine Schwester waren ziemlich gute Sänger, als wir jünger waren. Aber ich war furchtbar. Trotzdem hatte ich den meisten Spaß am Singen, also habe ich einfach weitergesungen – jeden Tag.

Wann hast du schließlich festgestellt, dass du eine großartige Stimme hast?

(lacht) Ehm, ich weiß nicht. Als ich so 15/16 war, habe ich das erste Mal versucht so zu singen, wie ich es jetzt tue und es hat funktioniert. Also habe ich so weitergemacht, weil ich’s mochte.  Für mich ist meine Stimme nicht besonders oder großartig, sondern einfach meine Stimme. Ich denke jetzt beim singen nicht: „Oh, ich kling‘ aber geil“, sondern einfach nur, dass das eben die Art ist, wie ich singe … okay, vielleicht mag ich auch ein bisschen wie ich klinge. (lacht)

Vielen Dank, George!

Zum Abschluss hat uns George Ezra noch seine Musiktipps aufgeschrieben, darunter Sivu, Rae Morris und Evil Twin. Seinen Geheimtipp hat er mit einem Sternchen versehen.

Untitled_alpha

 

Nach einer kurzen Verabredung auf ein Bier nach dem Gig verabschieden wir uns von George. Auf dem Weg nach unten wagen wir einen Blick nach draußen. Vor der Tür hat sich bereits eine frierende Menschentraube gebildet. Die Bar hatte über Facebook verlauten lassen, dass man wegen des zu erwartenden, hohen Andrangs doch bitte pünktlich um sieben kommen solle. Als sich die Türen schließlich öffnen, platzt die urige Bar auch schon aus allen Nähten. Ezra’s Support Hannaford liefert unmittelbar vor dem Konzert die passende Begründung: „Ich befürchte das wird das letzte Mal sein, dass wir George in so kleiner Runde hören werden.“ Als George Ezra schließlich die Bühne betritt, wissen wir alle: Er soll recht behalten.
Was wir zu hören bekommen, ist vor allem ein Vorgeschmack auf das, was uns in diesem Jahr erwartet. In seinem rund 45-50 minütigen Set spielt Ezra neben den Bekannten auch bisher unveröffentlichte Songs wie etwa Listen To The Man. Alles Songs, zu denen George Ezra eine Geschichte erzählen kann. Songs, die sofort ins Ohr gehen. Nach einer äußerst kurzweiligen Dreiviertelstunde geht er schließlich ins Finale über. Für Did You Hear the Rain ist es noch einmal mucksmäuschenstill. Einzig die Kaffeemaschine der Bar blubbert leise vor sich hin, als Ezra inbrünstig die erste Strophe anstimmt.
Das Publikum will an diesem Abend gar nicht so recht nach Hause. Doch nach einer kurzen Zugabe ist der Zauber des Abends schon wieder vorbei.

Wenn ihr George live erleben wollt, habt ihr an den folgenden, zugegeben sehr wenigen, Terminen Gelegenheit dazu:

16.03.2014 Ponyhhof – Frankfurt
17.03.2014 Black Box – München
18.03.2014 Berghain Kantine – Berlin

Interview von Ann Kristin Schenten & Alexander Voss
gepostet am by Alex in Ankündigungen, Bands, Interviews, Next Big Thing, Stories

About Alex

Alexander Voss gründete im Mai 2011 "Indie Track of the Day" auf Facebook. Im August 2012 startete er einen offiziellen, deutschsprachigen Blog zur Seite, um Interviews und ausführlichere Informationen über die Musik der Indie-Kultur zugänglicher zu machen.

Schreibe einen Kommentar