Dog Is Dead und ihre Lieblingsgeschichten

Gut 2 Jahre ist es her, seit Dog Is Dead erstmals auf den Radaren der Musikblogger und -kritiker auftauchte. Das war, als ihre Debüt-Single ‚Glockenspiel Song‘ durch eine bemerkenswerte Varietät an Instrumenten, mehrstimmigen Passagen und einer großartigen Melodie glänzte. Es folgten unzählige Konzerte mit etabilierten Bands wie etwa Bombay Bicylce Club oder Local Natives sowie Festivalbesuche in ganz Europa.
Vergangenen Montag ist nun endlich das langersehnte Debüt-Album ‚All Our Favourite Stories‚ in Großbrittanien erschienen, der Rest der Welt muss sich momentan noch mit dem Album-Stream auf NME.com zufrieden geben. Eins erstmal vorab: Hätte mir vor zwei Jahren jemand gesagt, dass das Album so klingen wird, wie es nun tatsächlich klingt, hätte ich ihm nicht geglaubt. Die Band hat sich enorm weiterentwickelt. Über die Frage, ob sie dies in die richtige Richtung taten, wird im Netz bereits heiß diskutiert.

Auf dem Album befinden sich zehn Songs, einige davon wurden im Laufe der letzten Monate als Singles veröffentlicht, darunter auch zum erneuten Mal der eben bereits angesprochene ‚Glockenspiel Song‚, der zu diesem Anlass noch einmal neu aufgenommen wurde. Als eindeutig tanzbarster und auch verspieltester Song des Albums steht er im Gegensatz zu dem Opener ‚Get Low‚, der lediglich mit einem relativ langsamen Schlagzeug-Beat und einer Bassline beginnt und sich im Verlauf seiner knapp vier Minuten sowohl instrumental, als auch von der Spannung her gesehen, deutlich steigert. Immer wieder verzieren diverse Gitarrenriffs und -melodien in Kombination mit mehrstimmingen Gesangspassagen die Ursprungsinstrumentation – ein Prinzip, welches auch in den restlichen Songs Bestand hält. Besonders die Mehrstimmigkeit ist wohl das auffälligste Merkmal der Musik von Dog Is Dead. Anders als bei Bands wie etwa Mumford & Sons sind die vielen übereinanderliegenden Stimmen gewollt sehr stark im Vordergrund und erinnern so gelegentlich sogar an einen Chor (‚Hands Down‚).

Eine weitere große Stärke des Albums sind die großartigen Melodien der verschiedenen Songs, die einem auch noch Tage später im Ohr liegen. Dabei werden besonders die Refrains perfekt in Szene gesetzt und lassen den Hörer an diversen Stellen sogar an große Stadien denken, welche die fünf Jungs aus Nottingham klanglich ohne Probleme füllen könnten. Vieles schreit danach, von einer großen Menschenmenge mitgesungen zu werden (‚Teenage Daughter‚, ‚Heal It‚), vieles fühlt sich fast ein wenig zu bombastisch an. Hört man Bonus-Track The Well, fragt man sich, warum Frontsänger Robert Miltons grandiose Stimme nicht viel öfter alleine steht – weniger ist manchmal eben doch mehr.

Dennoch wäre es ein Fehler, zu sagen, dass dieses Album schlecht oder gar eine Enttäuschung ist. Die aktuelle Single ‚Talk Through The Night‚ zeigt perfekt alle Stärken der Briten auf: Von einer eingängigen Gitarrenmelodie, die sich wie ein Leitmotiv durch den gesamten Song zieht, über reggae-ähnliche Strophen und einem fantastischen Refrain bis hin zum großen Finale (‚If I be good to you, can I be any more than that?‚). Dog Is Dead machen Pop in Perfektion, mit viel zu hohem Niveau für Radio oder Fernsehen. Dennoch würde es mich nicht wundern, wenn genau diese Medien schon bald auf die Jungs aufmerksam werden – verdient hätten sie es allemal!

gepostet am by David in Bands, Neuerscheinungen, Review, Stories

About David

David ist Musikfanatiker und fester Bestandteil von IndieTrackOfTheDay. Neben dem Studium ist er Sänger der Band "Sunburns".

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